Weingut Sepp Moser

Das Weingut Sepp Moser in Rohrendorf und Apetlon

Mitte der 80er Jahre, nach vielen bewegten Jahren, entschied sich Sepp Moser eigene Wege zu gehen. Er reduzierte die familieneigenen Rebflächen in Rohrendorf im Kremstal und Apetlon am Neusiedlersee auf die besten Lagen und setzte seinen Ehrgeiz daran, aus rund 33 Hektar Weinbergen charaktervolle, edle Weine zu schöpfen.

Er übernahm das Atriumhaus in Rohrendorf, das ehemalige Wohnhaus der Familie Moser, adaptierte den Keller zum Weinkeller und gründete so im Jahr 1987 das „Weingut Sepp Moser“, das somit eines der jüngsten Weingüter Österreichs ist und dennoch bereits auf 150 Jahre Weintradition zurückblicken kann.

Heute führt sein Sohn Nikolaus den Weinbaubetrieb. Auch er blieb der zweigeteilten Struktur treu und bewirtschaftet Weingärten sowohl in Niederösterreich als auch im Burgenland.

Zurück zu den Wurzeln

Nikolaus Moser hat sich dem Regionalismus und dem Ausdruck des Bodens aus den beiden – sehr unterschiedlichen – Weinbauregionen verschrieben. Niki Moser kann man als Weinbaupionier bezeichnen. So liegt sein Bestreben darin, möglichst gesunde Reben zu pflegen, die auf ausgewogenen, vitalen Böden wachsen. Das Weingut Sepp Moser unter der Leitung von Niki Moser ist eines der ersten Weingüter Österreichs, das auf biodynamischen Weinbau umgestellt hat.

Niki Mosers Ziel ist nicht nur, lebendige Weine mit starker Persönlichkeit hervorzubringen, sondern auch, seinen Kindern und den nachfolgenden Generationen gesunde Böden und möglichst viel Wissen und Verständnis der Natur weitergeben zu können.

Dank des Weinbergbesitzes in zwei sehr unterschiedlichen Regionen kann das Weingut Sepp Moser alljährlich eine beachtliche Vielfalt an Weinen hervorbringen. Das Spektrum reicht von mineralischen und eleganten Weißen, über strukturierte Rotweine, bis hin zu ausdrucksvollen Beeren- und Trockenbeeren-auslesen. Stets manifestiert sich in den Weinen die Philosophie der Nachhaltigkeit, Tradition und regionaler Identität.

Die Lese erfolgt ausnahmslos manuell. Verarbeitung und Vinifizierung – für das Lesegut beider Güter ausschließlich im Rohrendorfer Keller – sind darauf ausgerichtet, die Individualität der Weine zu unterstreichen. Reinzuchthefen, Enzyme etc. wurden deshalb schon vor einigen Jahren verbannt.

Der Weg in den biodynamischen Weinbau

Niki Moser interessierte sich schon immer für Umweltschutz und für biologischen Weinbau. Seine erste Berührung mit der Bio-Dynamik war das Buch „Hinweise aus der Konstellationsforschung für Obst- und Weinbau“ von Maria Thun.

Erst als er im Jahr 1999 mit Freunden eine Reise ins Elsass unternahm und Jean-Pierre Frick (Domaine Pierre Frick) und Marc Kreydenweiss (Domaine Marc Kreydenweiss) kennenlernte, deren Weingärten – trotz des extremen Peronospera-Jahres – die schönsten und gesündesten der Umgebung waren, sollte die anfängliche Skepsis weichen und sein Interesse beflügeln.

Voller Begeisterung begann er sich nach der Rückkehr von seiner Reise mit dem Thema Bio-Dynamik zu beschäftigen.

Niki Moser entschied sich 1999, nach einer Reise ins Elsass zu Jean-Pierre Frick und Marc Kreydenweiss den biodynamischen Weinbau auch bei sich umzusetzen. Nach Rückschlägen kam es im Jahre 2001 zur Umstellung der ersten Weingärten in Apetlon (kleine Teilparzellen in den Rieden Hedwighof und Hollabern).

Als auch die beiden Jahrgänge 2004 und 2005, die sehr herausfordernd waren, eine qualitativ sehr hochwertige Ernte brachten, war Niki Moser endgültig von der biodynamische Wirtschaftsweise überzeugt und stellte den gesamte Betrieb entsprechend um.

Demeter und Biodynamisches Arbeiten

In der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wird die Landwirtschaft ganzheitlich als eine Art „in sich geschlossene Individualität“ betrachtet. Durch diesen Weg werden die Lebensvorgänge zwischen Boden, Pflanze und Tier harmonisiert. Ein gesunder Boden lässt gesunde Pflanzen gedeihen, die Mensch und Tier als Nahrungs- und Futtermittel zur Verfügung stehen. Gewissenhafte und regelmäßige Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate, sowie die Berücksichtigung kosmischer Rhythmen im Pflanzenbau spielen dabei eine wichtige Rolle.

Neben den biodynamischen Basispräparaten wie Kuhhorndung und Hornkiesel wird Kompost aus Graurindermist mit Kompostpräparaten aus dem Neusiedlersee aufbereitet. Im Kremstal wird Pferdemist aus dem familieneigenen Pferdestall verwendet.

Ein absolutes Verbot gilt für Pestizide, Herbizide, Kunstdünger und synthetische Spritzmittel. Stattdessen kommen Fenchelölextrakt, verschiedene Tees aus regionalen Heilpflanzen wie Brennnessel, Schachtelhalm, Löwenzahn, Schafgarbe, Steppensalbei etc. zum Einsatz, um Pilzkrankheiten vorzubeugen. Auch Schwefel und geringe Mengen an Kupferpräparaten werden als Pflanzenschutzmittel angewandt.

Die Weinbergslagen

a.) Rohrendorf im Kremstal (Niederösterreich)

70 km westlich von Wien befindet sich der Stammsitz der Familie in Rohrendorf, einer kleinen Weinbaugemeinde mit geschichtsträchtigen Lagen. Der Ort liegt im Kremstal, nur etwa 1 km von der Donau entfernt.

Charakteristisch für dieses Gebiet ist ein ständiger Austausch von Luftmassen unterschiedlicher Temperaturen. Während aus dem Osten kontinentale trockene und heiße Luft das Donautal hochsteigt, strömt Kaltluft aus dem rauen nördlich gelegenen Waldviertel in das Tal der Krems. Vor allem nachts kommt es immer wieder zu massiver Abkühlung, was vor allem die Fruchtigkeit und die Frische der Weine unterstützt.

Die Terrassenweingärten des Weingutes Sepp Moser setzen sich aus Löss- und Konglomerat-Verwitterungsböden zusammen, sind vornehmlich südlich exponiert und überwiegend mit Weißweinsorten bepflanzt. Grüner Veltliner, Riesling, Chardonnay, Sauvignon Blanc, aber auch Blauburgunder werden auf einer Fläche von 24 ha bearbeitet.

b.)  Apetlon am Neusiedlersee (Burgenland)

Mit nur 114 Metern Seehöhe ist Apetlon der tiefstgelegene Punkt Österreichs, gleichzeitig zählt die Region die meisten Sonnentage des Landes. Der Neusiedlersee prägt das Klima stark. Seit den 1960er-Jahren bewirtschaftet die Familie Moser inmitten des Vogelparadieses und Nationalparks „Neusiedlersee-Seewinkel“ Weingärten.

Die Böden bestehen aus tiefgründigem “Tschernosem” (=Schwarzerde), teils stark mit Schotter durchzogen, der auch noch für zusätzliche Strahlungswärme nach Sonnenuntergang sorgt. Kennzeichnend für alle Lagen ist der hohe Humusanteil.

Flach oder nur mit leichten Bodenwellen präsentieren sich die 27 ha Weingärten des Gutes, die neben der mit Abstand wichtigsten Sorte – dem Zweigelt – auch Cabernet Sauvignon und Merlot aufweisen. Aus Pinot Blanc, Chardonnay, Muskat Ottonel und Scheurebe werden sowohl trockene Weißweine als auch Prädikatsweine gewonnen.

Die Einzellagen spielen im Burgenländischen Seewinkel bei weitem nicht die Rolle wie im Niederösterreichischen Kremstal. Die Stärke der hiesigen Böden liegt in den rasch wechselnden Strukturen, die Ihren Ausdruck in der Vielschichtigkeit der Weine wiederfindet.